Beiträge

Intensivstation 71

Heute war es ein ganz besonderer Tag für mich, ich bekam die Möglichkeit noch mal auf die Intensivstation 71 zu gehen. Wir drehten da für meine Dokumentation – Menschen hautnah

Zuerst hatte ich total Angst, weil ich selbst nicht wusste wie ich darauf reagieren würde das alles noch einmal zu sehen und zu erleben.

Ist alles so wie ich es noch in Erinnerung hatte oder doch ganz anders?

Schon beim Eintreten in der Schleuse, da wo man sich umzieht ( Blaues Hemd, b

laue Hose gesonderte schuhe) war ich aufgeregt und voller Erwartungen an mich selbst.

Kann ich mich noch an alles Erinnern und das auch richtig, die Töne die die Geräte von sich geben bei einem Notfall oder nicht Rundläufen einer Herzfrequenz, hören sie sich so an wie in meinen Erinnerungen oder hat sich da etwas mit meiner Fantasie gemischt.

Als ich den Flur der Station 71 betreten durfte viel mir sofort der Geruch auf, schwer zu beschreiben.

Eine Mischung aus Desinfektionsmittel und einem leicht süßlichen aber nicht zu dominanten Geruch.

Dieser Duft der Station ist ein ganz besonderer und brachte mich zum Weinen, 1000 Erinnerung aus der intensiv Zeit brachen ein wie ein Blitz. Unkontrolliert waren es 100 Bilder die vor mir wie ein Film abliefen. Die Gefühle überkamen mich und ich wusste nicht genau damit umzugehen. Ich sah links die 6 Gläsernen Kästen in dem Verbrennungsopfer liegen, nur ein Raum war Frei, MEINER Raum 4.

Ich sah von außen rein, und sah mich selbst daliegen. Ich stellte mir vor ,wie ich da lag, regungslos, wie genau die anderen verbrannten hier auf der Station 71 der MHH. Das Atem Signal ging los in einem Zimmer und ich wurde wieder in die Zeit zurück versetzt ( TÜTÜTÜTÜTÜÜÜÜ  TÜTÜTÜTÜTÜ.ÜÜÜ )Ein hoher schriller Ton, diese Melodie höre ich manche Nächte immer noch.

Heute als ich als nicht Patientin da war, wurde mir klar wie hektisch doch alles hier draußen zu geht. Immer läuft einer hin und her um Injektionslösungen zu holen, riesige Tupfer oder sogar große aufgezogenen Spritzen mit verschiedenen Flüssigkeiten. Aber mit Rückblick als Patient, sie dir eine Ruhe und Gelassenheit rüberbringen ist bemerkenswert. Die Schwestern auf Station 71 verdienen besondere Anerkennung. Diese Sensible Art und Weise dir als Betroffene das Gefühl zu übermitteln, sie würde nur für dich den ganzen Tag Zeit haben und sich mit dir beschäftigen damit es dir so schnell wie möglich wieder gut geht, aber wenn sie den Glas Kasten verlassen, sie an Hundert Sachen gleichzeitig tun und denken müssen, ist eine Leistung die mein vollster Respekt verdient.

Ich möchte mit diesem Text, den Schwestern auf der Station 71, Danke sagen.

Ihr seid die wahren Helden.

 

Die Schleuse : Station 71 von Univ. Prof. Dr. med. Peter M. Vogt